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Sunday, June 30, 2013

Anthropological and genetic investigation of a medieval Slavic community from Usedom, east Germany


I wrote about this Janine Freder thesis years ago, but back then only the abstract was available to the public and it contained few details, such as the fact that one of the two tested Y-DNA lineages belonged to haplogroup R1a-M458 (see here). Now the whole report is freely accessible, and it features some fascinating information about cranial characteristics of the 12th to early 13th Century Usedom community, as well as other ancient North-Central Europeans, and the processes of brachycephalization and debrachycephalization (shortening and lengthening of the head, respectively). I'll post the quotes in the original German, because the Google translation looks like crap.


Above: figures 4-13 and 4-14 from the thesis, showing the breakdown of various head shapes among the males and females from medieval Usedom. The classifications are based on Cephalic (Langen Breiten) Index results. Key: hyperdolichokran = hyper-dolichocephalic or extremely long-headed (Cephalic Index of 65,0 – 69,9); dolichokran = dolichocephalic or long-headed (Cephalic Index of 70,0 – 74,9); mesokran = medium length or mesocephalic (Cephalic Index of 75,0 – 79,9); brachykran = brachycephalic or round-headed (Cephalic Index of 80,0 – 84,9).

Es zeigt sich, dass zwischen den Populationen von Usedom und Sanzkow die wenigsten signifikanten Mittelwertunterschiede bei den Schädelmaßen existieren, zwischen Sanzkow und Haithabu die meisten. Die Usedomer Bevölkerung ähnelt in den untersuchten Merkmalen am ehesten der Bevölkerung von Sanzkow, der Haithabuer Bevölkerung ist sie offenbar weniger ähnlich. Allerdings finden sich mehr signifikante Mittelwertsunterschiede zwischen Haithabu und Sanzkow als zwischen Haithabu und Usedom. Die Mittelwertunterschiede betreffen vor allem Maße der männlichen Teilpopulation. Bei den Frauen sind zwischen den drei Populationen kaum signifikante Unterschiede auszumachen.

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Mit Ausnahme der Serie aus Polen liegen die Mittelwerte der Schädelindizes der Serien des westslawischen Clusters im mesokran-othrokran-metriokranen Bereich. Auffällig ist der LBI der nördlichsten Serie: der Mittelwert der auf dem Gebiet des heutigen Polens gefundenen Slawen liegt im dolichokranen Bereich. Dies trifft nur für die Gesamtpopulation der Usedomer Skelettserie zu; die Männer aus Usedom liegen hingegen im mesokranen Bereich. Bezüglich der Schädelmaße weisen die Usedomer Mittelwerte die größte Nähe zu den westslawischen Serien aus Großmähren und Böhmen aus. Nur der vergleichsweise niedrige Wert der größten Schädelbreite (13,8 cm) zeigt ein ähnliches Niveau wie der Wert der slowakischen Westslawen. Der vergleichsweise hohe Wert der größten Schädellänge hingegen ist dem der Westslawen aus dem Nordwesten Polens am nächsten.

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Der Längen-Breiten-Index der dänischen Serien des frühen Mittelalters liegt im Mittel mit 76,4 deutlich über dem Mittelwert der Fundserien des germanischen Differenzierungsraums und dem der norwegischen und schwedischen Bevölkerungen und liegt im Gegensatz zu diesen im mesokranen Bereich. Der LBI der Usedomer Bevölkerung liegt mit 73,7 etwas unter dem Mittel der Fundserien. Bezüglich des Breiten-Höhen-Index liegen sowohl die dänischen als auch die Usedomer Schädel mit 98,1 bzw. 98,6 im akrokranen Bereich und über dem im metriokranen Bereich liegenden Serienmittel aus dem germanischen Differenzierungsraum und dem der Norweger und Schweden.

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Im Vergleich mit Franken und Normannen des Frühmittelalters zeigt die männliche Bevölkerung Usedoms interessanter Weise im Mittel eine deutlich niedrigere Schädelbreite (S8: 13,8 cm gegenüber 14,2 cm), eine höhere Basion-Bregma-Höhe (S17: 13,7 cm gegenüber 13,3/13,4 cm) sowie eine niedrigere Orbitalbreite (S51: 3,9 cm gegenüber 4,1/4,2 cm). Der LBI ist demzufolge nach niedriger (73,3 gegenüber 75,1/74,9), der BHI deutlich höher (98,6 gegenüber 93,6/95,5; siehe Tab. 5-19). Die abschließende multivariate statistische Analyse von Bernhard (1986) lässt erkennen, dass sich die meisten westgermanischen Gruppen eng zusammenschließen und ein rein germanisches Subcluster bilden, in dem u.a. die deutschen und französischen Franken, Sachsen und skandinavischen Germanen vereinigen. Mehr oder minder stark isoliert steht dagegen die mittelalterliche dänische Serie, die überaus enge Beziehungen zur wesentlich älteren Trichterbecher-Bevölkerung Dänemarks zeigt. Sie schließt sich in einem Cluster mit nichtgermanischen Stämmen wie einer Fundgruppe von finnischen Stämmen sowie einer ostslawischen Sammelserie zusammen.

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Zur frühgeschichtlichen Zeit waren die LBI-Werte relativ gering, die damalige Ernährung bestand hauptsächlich aus im allgemeinen relativ knapper, aber vollwertiger Nahrung, die reich an Mineralstoffen und Proteinen aus Milch und Hafer bzw. Gerste oder Hirse war. Typisch waren relativ große Körperhöhen sowie die Tendenz zu dolicho- oder mesokranen Schädeln. Während des Früh- und Hochmittelalters veränderte sich die Nahrung der breiten Volksschichten hin zu eiweißarmen Kostformen, während der Adel parallel dazu zu immer fleischreicheren Kosttypen überging. Geringere mittlere Körperhöhen, vermehrte Mangelsymptome am Skelett bei Individuen aus den Mittel- und Unterschichten sowie zunehmende Brachycephalisation, also Verrundung des Schädels, in allen Sozialschichten waren nun die typischen Konstitutionsmerkmale (Wurm 1987). Im Hochmittelalter waren zunächst der Westen des Reiches sowie die Mittelgebirge von einer unfreiwilligen fast-vegetarischen Ernährung betroffen, im norddeutschen Tiefland wurde aber weiterhin eine umfangreiche Tierzucht betrieben (siehe Wurm 1982). Das Phänomen der Brachycephalisation seit dem Mittelalter und auch das der beginnenden Debrachycephalisation in der Gegenwart sind bisher unzureichend erklärt; es sind kleinräumige Studien zu Ernährungsform, Wirtschaftsform und sozialer Schichtung notwendig, um die Ursachen der zunehmenden Verrundung des Schädels der europäischen Populationen zu verstehen (Wurm 1989).

So based on all the data - archeological, cranial and genetic - the Usedom community appears to have been of Slavic origin. However, the available evidence doesn't preclude Viking and/or Frankish admixture in this medieval South Baltic population.

Janine Freder, Die mittelalterlichen Skelette von Usedom - Anthropologische Bearbeitung unter besonderer Berücksichtigung des ethnischen Hintergrundes, Doctoral thesis, 2010, Freie Universitat, Berlin, Department of Biology, Chemistry and Pharmacy


3 comments:

Rick said...

hej, Vikings were not a nation but a profession like pirates later. most of them probably slavic. see: southern norwegian DNA today, high percentage of R1a (slavic).

Davidski said...

The R1a in Norway isn't Slavic (M458 and Z280), it's Germanic (Z284).

But there is some Slavic R1a (M458) on Danish islands and in southern Sweden.

Fanty said...

Yeah.

There are 2 Germanic and 2 Slavic Subclades of R1a in Europe.

Interesting about the 2 "Germanic" branches is, that they almost dont exist in Germany (except for Coatsal regions in wich Viking settlements had been. Almost all the other R1a in Germany belongs to the "Balto-Slavic" branches.

One "Germanic" branch is almost exclusive to Norwegian Vikings (high in Scottish and Irish of Viking decent too!), while the other one is Pan-Scandinavian (+ all over Britain).

The Slavic world has a similiar picture. One branch concentrates mainly to West-Slavic populations (where it makes up for like 60% of all the R1a) plus Germany and Austria and one branch is more Pan-Slavic (+80% of the R1a in Eastslavs and 40% of the R1a in Westslavs) + Baltic + Germany and Austria.

The "Panslavic" branch however has a Westslavic+German/Austrian and an Eastslavic+Baltic subclade.

The R1a in Scandinavia are not Slavs brought there by Vikings 1300 years ago, but believed to be from Corded Ware culture (also known as "Battle Axe people") 5000(!)years ago.